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Reiseplanung mit Basecamp

Lange, seeehr lange haben wir diese Reise vorbereitet. Die Frau Neersianerin hat unzählige Reiseberichte im Netz studiert und gemeinsam haben wir diese dann für die Routenplanung verwendet und umgesetzt. Dabei war schon früh klar, dass wir uns nicht einfach treiben lassen und mit dem Autoatlas von Ort zu Ort fahren, sondern bereits im Vorfeld eine genaue Reiseroute festlegen möchten. Da ich bei diversen Radtouren bereits Erfahrungen mit der kostenlosen (!) Software "Basecamp" des Navigationsgeräteherstellers "Garmin" gemacht hatte und wir diese bereits für einige Geocaching-Touren verwendet haben wurde beschlossen, damit die Reiseroute zu planen.

Die Software kann kostenlos von der Webseite des Herstellers heruntergeladen werden. Nach der Installation stellt sich Schottland (und auch der Rest der Welt) allerdings zunächst ziemlich enttäuschend dar. Mitgeliefert wird nämlich nur eine sehr rudimentäre "Globale Karte". Die enthält lediglich die Hauptverkehrsstraßen und eine POI-Liste, die diesen Namen nicht wirklich verdient hat. Es ist also als erstes Abhilfe in Form einer detaillierteren Karte nötig. Über's Geocaching kannten wir bereits verschiedene Webseiten aus dem Umfeld des OpenStreetMap-Projekts, die unterschiedliche Karten zum Download anbieten. Allerdings verfügen nicht alle Pakete über einen passenden Installer, um die Karten auch mit Basecamp nutzen zu können. Unsere Wahl fiel daher auf das Angebot freizeitkarte-osm, das sehr übersichtliches Kartenmaterial für nahezu alle Gebiete der Welt anbietet - auch das wieder komplett kostenlos. Ob man sich hier aus dem Menü "Karten" für "Weitere Länder" -> "Großbritannien" oder für "Regionen" -> "Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland" entscheidet, ist lediglich Geschmackssache - Schottland ist jedenfalls in beiden Varianten komplett enthalten.

Nach der Installation der Karte und dem dann nötigen Neustart von Basecamp sieht die Welt (oder in diesem Falle Schottland) schon ganz anders aus. Es werden nun neben den Hauptstraßen nicht nur sämtliche Nebenstraßen, Feld- und Wanderwege angezeigt, sondern auch Dinge wie Park- und Campingplätze, Aussichtspunkte, Sehenswürdigkeiten, ja sogar Windräder, Leuchttürme und Parkbänke. Schon klasse, was das OpenStreetMap-Projekt an Details bietet. Da jetzt auch die POI-Liste entsprechend umfangreich ist, steht einer detaillierten Planung nichts mehr im Wege.

Detaillierte Route planen:

Die Software bietet zwar eine Funktion "Reiseplanung" an, die ich auch zu Beginn verwendet habe, aber im Laufe der Planung hat sich gezeigt dass das Laden einer geplanten Reise - je nach Rechnerleistung - eine gefühlte Ewigkeit dauert. Ich habe also später darauf verzichtet und mit der Funktion "Route" aud dem Menü "Werkzeuge" gearbeitet. Damit kommt man wesentlich schneller zum gewünschten Ergebnis. Im folgenden Beispiel planen wir eine Route von Newcastle zum Loch Lomond.
Zuerst legt man sich mit "Datei" -> "Neu" -> "Listenordner" einen Ordner für die Reiseplanung an. Anschließend wird auf die gleiche Art eine "Liste" für den ersten zu planenden Tag erzeugt und dieser dann ausgewählt.



Zuerst wird in der Symbolleiste "Aktivitätsprofile" das Profil "Fahren" (oder ein eigenes, siehe weiter unten) gewählt, damit auch die automatische Routenplanung funktioniert. Wir zoomen zunächst möglichst nah an den Fährhafen von Newcastle (das Ende der entsprechenden Fährlinie), bis wir das graue Abfertigungsgebäude mit der kleinen roten Markierung erkennen. Verharrt man etwas mit der Maus über dem roten Punkt erkennt man, dass im Hinweistext "Ferry Terminal" angezeigt wird. Wir klicken rechts und wählen aus dem Kontextmenü "Neuer Wegpunkt". Das Gleiche machen wir am Westufer des Loch Lomond und suchen den Campingplatz in Luss. Auch hier erzeugen wir einen neuen Wegpunkt. Unsere Liste enthält jetzt zwei Wegpunkte. Wir markieren nacheinander (STRG festhalten) den Startpunkt (Newcastle) und den Endpunkt (Luss) und wählen beim Rechtsklick aus dem Kontextmenü "Route mit ausgewählten Wegpunkten erstellen". Die Software plant automatisch eine Route vom Start- zum Zielpunkt.
Wir können nun entlang der Route weitere Zwischenstationen und Sehenswürdigkeiten als Wegpunkte hinzufügen. Diese tauchen dann zwar in der Liste auf, werden aber noch nicht für die Routenplanung berücksichtigt. Um das zu erreichen, öffnen wir die Details unserer Route durch einen Doppelklick - entweder auf den Listeneintrag oder auf die Linie in der Karte. Durch einen Klick auf das kleine grüne "+" am rechten Rand des Detailfensters können wir unserer Route nun beliebig viele Wegpunkte aus unserer Liste hinzufügen. Per Drag & Drop lässt sich die Reihenfolge verändern. Nach dem Schließen des Fensters berechnet die Software die Route automatisch neu, um alle Wegpunkte zu berücksichtigen.
Alternative: Man kann auch einzelne Wegpunkte in der Liste auswählen und per Drag & Drop auf den Eintrag für die Route ziehen. Es öffnet sich automatisch das Detailfenster, in dem man den Eintrag an der passenden Stelle fallen lassen kann.
Sehr interessant ist an dieser Stelle auch die umfangreiche Liste an POI's (Points of Interest), die über die OSM-Karte mitgeliefert wird. Man klickt einfach mit der rechten Maustaste in einen Bereich der Karte und wählt "Nächstgelegene POIs suchen". Im rechten Bereich wird nun eine seeeeehr umfangreiche Liste eingeblendet, die man nach verschiedenen Kriterien filtern und in der auch gesucht werden kann. Auf diese Art haben wir durchaus noch das eine oder andere Highlight gefunden.

Aufenthalte vorplanen:

Ausgesprochen nützlich fanden wir während unserer Tour, dass man für die einzelnen Zwischenstationen auch gleich die geplante Aufenthaltsdauer vorplanen kann. So weiß man jederzeit, wie viel Zeit noch verbleibt und vor allem, wann man am Ziel ankommen wird.  Dazu öffnet man wieder das Detailfenster der Route. Durch einen Doppelklick auf den gewünschten Wegpunkt gelangt man in die Bearbeitung des Zwischenziels. Hier lassen sich sowohl der geplante Abfahrtszeitpunkt (sinnvoll beim Startpunkt) und/oder die Aufenthaltszeit am Zwischenziel bearbeiten. Die Software berechnet automatisch die weiteren Ankunftszeiten an den nächsten Zwischenzielen als auch die Ankunft am Ziel. Da wir im Wohnmobil ein Navigationsgerät des gleichen Herstellers verwendet haben wussten wir immer, wann wir an unserem geplanten Ziel ankommen werden.

Aktivitätsprofile anpassen:

Damit die Software die Zeiten sinnvoll planen kann, gibt es sogenannte "Aktivitätsprofile", mit der die Durchschnittsgeschwindigkeiten und die befahrbaren Strecken berechnet werden. Die Software bietet zwar ein eigenes Profil für Wohnmobile, wir haben uns aber entschlossen, auf Basis des Profils "Fahren" ein eigenes zu erzeugen. Grund: Mit dem vordefinierten Profil für Wohnmobile stehen einige kleinere Straßen nicht zur Verfügung - die Software plant dann anders als wir uns das gewünscht hätten. Bei der Anpassung des Profils sollte man bedenken, dass man mit dem Wohnmobil und damit deutlich langsamer als ein PKW unterwegs ist. Man muss die Geschwindigkeiten also entsprechend niedrig ansetzen. 

POI-Listen:

Eine große Hilfe bei der Planung waren für uns vorgefertigte POI-Listen, die wir uns aus verschiedenen Quellen im Internet zusammengesucht hatten. Destillerien, Castles, Kirchen, Museen, Stellplätze, usw., usw. Es gibt fast nichts was es nicht gibt. Einmal importiert, werden die entsprechenden POI's dann mit einem (mehr oder weniger passenden) Symbol direkt in der Karte angezeigt. Man sieht also auf einen Blick, an welchen POI's die geplante Route vorbei führt und kann seine Planungen darauf abstimmen. Um einen POI zur geplanten Route hinzuzufügen, klickt man einfach mit der rechten Maustaste auf den POI und wählt aus dem Kontextmenü "Senden an...". Als Ziel wählt man dann die Liste mit der Route des gewünschten Tages. Anschließend lassen sich diese POI's dann auf die gleiche Art und Weise zur Route hinzufügen wie die übrigen Wegpunkte.

Damit ihr nicht selbst das Internet nach passenden POI-Listen für Schottland durchsuchen müsst, haben wir euch nachfolgend eine Auswahl zusammengestellt. Die hier vorgestellten Listen erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollten aber eine ganz gute Basis für eure eigenen Planungen sein.

Castles Schlösser und Burgen
Kirchen Kirchen
Distilleries Destillerien
Stellplätze WoMo-Stellplätze
Camping Campingplätze
CCC Plätze des Camping and Caravan Club

Fertig geplant sah die Route für den ersten Tag dann wie im Bild rechts aus. Das Ganze haben wir für jeden einzelnen Tag so vorgeplant und zusätzlich noch einige Alternativen vorgesehen. So konnten wir morgens ja nach Wetter, Lust und Laune entscheiden, wohin es uns an diesem Tag führen würde. Unsere "Kilometer-Käthe" hat uns immer sicher an die gewünschten Sehenswürdigkeiten und unser Tagesziel geführt.

Jetzt wünschen wir euch viel Spaß beim Planen eurer Reise durch Schottland. Uns hat jedenfalls die Planung fast genau so viel Freude bereitet wie die Reise selbst. Die Vorfreude steigerte sich von mal zu mal.

 

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